Schuldner- und Insolvenzberatung
Insolvenzberatung

Insolvenzverfahren



Sofern in den vorangegangenen Gesprächen erkennbar wird, dass
es Ihre finanzielle Situation nicht zulässt, Ihre Verbindlichkeiten in
einem überschaubaren Zeitraum abtragen zu können, kann ein
Verbraucherinsolvenzverfahren für Sie infrage kommen.

Das Verbraucherinsolvenzverfahren


Am 01.01.1999 ist die Insolvenzordnung in Kraft getreten und löste
die Konkurs-, die Vergleichs- und die Gesamtvollstreckungsordung ab.
Verbraucherinnen und Verbraucher können eine Art »Privatkonkursverfahren« durchlaufen.
Am Ende des Verfahrens steht die so genannte »Restschuldbefreiung«.
Das bedeutet, dass man von den restlichen, dann noch vorhandenen
Schulden befreit werden kann. Damit ist ein wirtschaftlicher Neuanfang
für die Verbraucherin oder für den Verbraucher möglich.

Die Schuldner- und Insolvenzberatungsstelle Wichern Diakonie
Frankfurt (Oder) e. V. ist seit 2001 als »Geeignete Stelle für Insolvenzverfahren«
entsprechend § 3 Bbg. Durchführungsverordnung zur InsO anerkannt.

Der § 305 InsO schreibt vorrangig eine außergerichtliche Einigung zwischen
Gläubiger und Schuldner vor.
Erst wenn diese Einigung gescheitert ist, kann ein Antrag auf Insolvenzeröffnung
gestellt werden.

Der Verfahrensablauf


Das Verbraucherinsolvenzverfahren ist in 4 Phasen unterteilt.

Phase I – Der außergerichtliche Einigungsversuch
Die erste Phase beinhaltet den gesetzlich vorgeschriebenen
außergerichtlichen Einigungsversuch. Hier wird den Gläubigern ein
Schuldenbereinigungsplan vorgelegt. Die Gläubiger haben die Möglichkeit
der Annahme oder Ablehnung dieses Plans, wobei die Ablehnung eines
Gläubigers das Scheitern des Schuldenbereinigungsplanes bedeutet.

- Einigungsversuche können Sie durch uns durchführen lassen.

Scheitert der Schuldenbereinigungsplan, muss beim zuständigen
Amtsgericht ein Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens gestellt
werden.
Dafür benötigen Sie eine Bescheinigung einer anerkannten Beratungsstelle.

Auch durch uns kann diese Bescheinigung ausgestellt werden.

Phase II – der gerichtliche Schuldenbereinigungsplan
In der zweiten Phase beginnt das gerichtliche Schuldenbereinigungsverfahren.
Hier versucht das Gericht noch einmal eine Einigung mit den Gläubigern
zu erzielen. Unter bestimmten Voraussetzungen kann die Zustimmung von
Gläubigern zum gerichtlichen Schuldenbereinigungsplan durch das Gericht
erzwungen werden. Das Gericht kann eine Ablehnung des Plans durch einen
Gläubiger durch eine gerichtliche Zustimmung ersetzen.

- Ein Plan zum gerichtlichen Schuldenbereinigungsverfahren kann durch
uns erstellt werden

Phase III – das Insolvenzverfahren
Scheiterte auch der gerichtliche Schuldenbereinigungsplan, wird ein
Insolvenzverfahren eröffnet. Die Masse (Vermögen) wird verteilt und das
Gericht bestellt einen Treuhänder. Nach diesen drei Phasen beginnt die
Treuhand- bzw. Wohlverhaltensperiode.

Phase IV – die Wohlverhaltensperiode
Das Insolvenzverfahren endet mit der Ankündigung der Restschuldbefreiung
und der Aufhebung des Verfahrens. Dann beginnt die Wohlverhaltensperiode.
In der Wohlverhaltensperiode wird der pfändbare Teil des Einkommens an
den Treuhänder abgetreten und von diesem an die Gläubiger verteilt. Man
muss also in dieser Zeit vom pfändungsfeien Einkommen leben. Maßgebend
ist hierbei die Pfändungstabelle nach § 850 c ZPO. Die Wohlverhaltensperiode
dauert 6 Jahre, wobei die Zeit ab Insolvenzeröffnung zählt.
Ist die Wohlverhaltensperiode beendet, spricht das Insolvenzgericht nach
Erfüllung aller Obliegenheiten die Restschuldbefreiung aus.

Wer kann das Verfahren in Anspruch nehmen?
Alle Personen die nie selbstständig waren.
Alle ehemaligen Selbstständigen, die weniger als 20 Gläubiger und keine
Schulden aus ehemaligen Arbeitsverhältnissen haben.
Für alle anderen Selbstständigen, bei denen das o.G. nicht zu trifft, kommt nur
eine Regelinsolvenz in Betracht.

Was kostet das Verfahren?
Die Kosten des Verfahrens (ca. 2.000 Euro) werden aus der Masse (Vermögen) des Schuldners bestritten. Sollte dieses nicht ausreichen, um die Kosten zu decken, muss ein
Antrag auf Stundung der Verfahrenskosten gestellt werden. Wird pfändbares
Einkommen während der Wohlverhaltensphase erzielt, so wird dies
zuerst zur Deckung der Kosten verwendet, bevor der Treuhänder Beträge an die
Gläubiger weiterleitet.
Nach Erteilung der Restschuldbefreiung stellt das Gericht die Schlussrechnung.
Sollten Sie immer noch nicht in der Lage sein, die Rechung zu begleichen, haben
Sie die Möglichkeit einen Antrag auf Prozesskostenhilfe zu stellen.
Hierbei ist zu beachten, dass jetzt nicht mehr die Pfändungstabelle § 850 c
ZPO zur Anwendung kommt, sondern die Berechnungsgrundlage der §§ 114 ff ZPO.
Hier sind dann in der Regel Raten zu zahlen, jedoch maximal für 48 Monate.